René Weissinger beendete seine lange Karriere

René Weissinger, Frankens „dienstältester“ Rad-Profi, hat seine erfolgreiche und lange Karriere beendet. Der gebürtige Schwabe, der sich 1999 dem RC Herpersdorf anschloss, saß als Jugendlicher, Junior, Amateur und Profi 23 Jahre im Rennsattel! „Die Zahl der vielen Rennen im In- und Ausland kann ich nur grob schätzen“, sagt Weissinger, der auch mehrfach bei der der Deutschland-Tour, der Österreich-Rundfahrt, der Tour de Suisse, sowie bei vielen kleineren Rundfahrten in ganz Europa und in Asien am Start war. Von 2002 bis 2012 legte René Weissinger als Profi pro Jahr rund
30 000 Kilometer zurück Als Deutscher Bergmeister feierte er 2001 in Spalt einen seiner schönsten Erfolge.

René Weissinger fuhr elf Jahre als Profi

Bei René Weissinger lag der Radsport schon in der Wiege: Sein Großvater Kal Weissinger war ebenso erfolgreicher Radsportler wie Renés Vater Roland, der einst sechs Deutsche Meisterschaften gewann. Als 12-Jähriger stieg René begeistert in seine Fußstapfen. In der Jugendklasse, bei den Junioren und als U23-Amateur zählte er bald zur deutschen Spitzenklasse. „ Mein Problem war es, dass es damals in Württemberg keine Bundesliga-Mannschaft gab. Deshalb schloss ich mich dem RC Herpersdorf an und fuhr ab 1999 im Bundesliga-Team des Bayerischen Radsport-Verbandes. Unter der Regie des zweifachen Ex-Weltmeisters und Olympia-Siegers Mario Kummer, der das junge Bayern-Team damals betreute, entwickelte sich René Weissinger zu einem der erfolgreichsten deutschen U23-Fahrer „ Es lief in der Saison 2000 von Beginn an super bei mir. Im lag auf Rang zwei der U23-Weltrangliste, war im Straßen-Nationalkader und durfte mit einer WM-Nominierung rechnen“, erzählt René Weissinger. Doch leider kam es ganz anders: „ Im Mai zog ich mir einen Muskelfaserriss zu. Eine längere Trainings- und Rennpause wurde notwendig. Alle meine Hoffnungen waren damit plötzlich dahin. Ich war völlig verzweifelt“. René Weissinger war so frustriert, dass er ernsthaft dran dachte, seine Radsportkarriere zu beenden. Um nicht allzu abrupt aufzuhören schloss er sich 2001 dem damals neuen württembergischen „Team Rothaus“ an. Nach mehreren Siegen und dem Gewinn des „Sprinter-Trikots“ bei der Internationalen Regio-Tour war sein alter Ehrgeiz wieder erwacht. Wenige Wochen später sorgte der damals 22-Jährige bei der Deutschen Bergmeisterschaft in Spalt für die Überraschung des Tages, als er die besten deutschen Bergspezialisten locker stehen ließ und verdient den Meistertitel gewann!

Stolz zeigt Weissinger DM-Trikot u. Goldmedaille von 2001

Ab 2002 fuhr René Weissinger mit Profi-Lizenz. Vom Rothaus-Team wechselte er zum niederländischen Team „SKIL-Shimano“ und 2004 zum österreichischen „Team Volksbank“, aus dem 2009 das „Team Vorarlberg“ hervorging. In insgesamt elf Profi-Jahren zählte René Weissinger zu den besten deutschen Straßenfahrern. Obwohl das Team Volksbank/ Vorarlberg „nur“ zur zweiten Profi-Kategorie zählte, zeigte René Weissinger bei gemeinsamen Starts mit den damaligen Stars der Teams Telekom, Milram und Gerolsteiner wenig Respekt. „ Die Übermacht dieser Top-Mannschaften war damals enorm, doch ich konnte trotzdem immer wieder gute Ergebnisse erzielen“, sagt René Weissinger mit berechtigtem Stolz. Die Anzahl seiner Top-Ten-Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften, Etappen der Deutschland-Tour, der Österreich-, der Bayern-Rundfahrt und bei „Rund um Köln“ war beachtlich. Zu Weissingers größten Erfolgen zählten seine Siege bei der „Berner-Rundfahrt“ und beim „Grand Prix Vorarlberg“ 2005, sowie seine Etappensiege bei der „Taiwan-Rundfahrt“, bei der chinesischen „Qinghai-Lake-Rundfahrt“ und bei der österreichischen „Burgenland-Rundfahrt“. Neben seiner Goldmedaille von der Berg-DM ist das „Weiße Sprintertrikot“, das er 2008 bei der Tour de Suisse gewann, eine seiner wertvollsten Trophäen. Seinen letzten Renneinsatz absolvierte René Weissinger im Dezember vergangenen Jahres beim „AAN-Cross-Cup“am Reichelsdorfer Keller „nur zum Spaß und für die Gesundheit“, wie er versicherte. 2013 trug er als Amateur zwar noch eine Saison das blau-weiße Trikot des Herpersdorfer Marin-Bikes-Teams, doch er kam kaum dazu ausreichend zu trainieren und Rennen zu fahren. Sein neuer Beruf forderte seinen ganzen Einsatz. Mit seiner Ehefrau Tina - Tochter des Herpersdorfer Exmeisters Klaus Buchholz - hatte er bereits 2009 die Firma „Rene-Rosa“ gegründet, die exklusive Sportbekleidung und Sportartikel für Rad- Triathlon- und Laufsportler kreiert und vertreibt. „ Ich habe damit noch immer gute Kontakte zu vielen Sportlern“, sagt René Weissinger, der während seiner aktiven Radsportjahre ein Maschinenbau-Studium absolvierte, das er 2006 erfolgreich mit Diplom abgeschlossen hatte. „Manchmal kommt es eben anders als man es plant“, sagt der 35-jährige Ex-Profi der seine reiche Erfahrung an junge Sportler der Region weitergibt. „ Der Leistungssport ist und bleibt meine große Passion“, betont René Weissinger, der es dem in Verruf geratenen Radsport wünscht, dass man den eingeschlagenen sauberen Weg konsequent weitergeht und sich bemüht wieder glaubwürdig zu sein. „Schwarze Schafe gibt es allerdings nicht nur im Sport. Es fehlt heute doch in allen Bereichen an der Ehrlichkeit. Es sollte sich jeder in seinem beruflichen und privaten Umfeld bemühen ehrlicher und aufrichtiger zu sein!“, wünscht sich René Weissinger, der heute als Jugendlicher sofort wieder in den Radsport einsteigen würde. „ Ein harter Leistungssport ist für junge Leute eine wertvolle Bereicherung und prägend für das ganze Leben“, betont René Weissinger, der noch immer gern im Sattel seiner Rennmaschine sitzt: Das brauche ich ganz einfach. Wenn es meine Zeit erlaubt, fahre ich am Wochenende gerne durch unsere schöne Region, oft auch mit Anhänger in dem mein zweijähriger Sohn Luca sitzt“.

Manfred M a r r