Sebastian Körber ist erster „Fixie-Weltmeister“

Im Rahmen des „Garmin-Velothon-Renntages“ wurde in Berlin die erste „Fixed42-Worldchampionship“ – eine Straßen-Radweltmeisterschaft auf Bahn-Rennmaschinen mit starrem Gang, ohne Schaltung und ohne Bremsen - ausgetragen. 250 unerschrockene Teilnehmer aus ganz Europa und den USA waren am Start. Nach exakt 42,195 Kilometern, der klassischen Marathon-Distanz, hatte der Katzanger Sebastian Körber (Team SM-Parts“) die schnellsten Beine. Im mitreißenden Sprint einer 20 Fahrer starken Spitzengruppe holte sich der schnelle Allrounder mit fast zwei Radlängen Vorsprung souverän den ersten WM-Titel vor dem Franzosen Tim Caresa (8Bar-Team) und dem Berliner Justin Rudolph (Team Rad-Pack/Rad-Race). „Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 47km/h war das heute ein sehr schnelles und auch sehr hektisches Rennen“, erklärte der erste „Fixie-Weltmeister“ strahlend bei der Siegerehrung.

Der erste „Fixie-Weltmeister“ im speziellen WM-Trikot, das gut zur neuen Sportart passt, bei der Bremsen und Schaltungen fehlen - denn im Schriftzug „Wordchampion“ fehlen alle Selbstlaute. „Allzu ernst sollte man das alles nicht nehmen – viel wichtiger ist es doch dass es riesigen Spaß macht“, meinte Sebi Körber breit grinsend im „WM-Trikot“ mit dem WM-Rahmen.

„ Ride hard or go home“ - „gib alles oder geh nach hause“, steht auf der schwarz-grünen Rennmütze, die Sebastian Körber trägt. Ein cooler Spruch, der sehr gut zu dem aus den USA kommenden nicht ungefährlichen Radsport-Trend passt. Erste „Fixed-Gear-Races“, wie man diese Rennen in den USA nennt, wurden dort vor rund fünfzehn Jahren von Fahrradkurieren und verrückten Radsport-Punks ausgetragen. Seit zwei Jahren gibt es auch in Europa immer mehr dieser Rennen, an denen sich neben begeisterten Hobby-Freaks auch viele aktive und ehemalige Lizenz-Amateure, selbst Profifahrer beteiligen. „ Das hat mich schon länger gereizt, auch das einmal zu probieren“, sagt Sebastian Körber, der seit vielen Jahren als Steher, Cross- Bahn- und Straßenfahrer zur bayerischen Spitzenklasse zählt. „Erstmals in meiner langen Radsport-Karriere hatte ich bei diesen sehr ungewöhnlichen Straßenrennen richtig Angst“, gesteht Sebastian Körber und seine Angst war nicht unbegründet. Mehr als einmal schrammte er bei hohem Tempo, nur äußerst knapp an einem Sturz vorbei. „ Wenn man in einem großen Teilnehmer-Feld mit starrem Gang und ohne Bremsen fährt, wird jeder Kilometer zum Nervenkitzel. Um zu bremsen muss man mit beiden Beinen mit viel Kraft und zugleich auch mit viel Gefühl kontern. Dabei gab es jede Menge heikle Situationen und natürlich auch zahlreiche Stürze“, erzählt der 30-jährige Allrounder, den seine langjährige Routine als Bahnfahrer sehr zu Gute kam. Auch sein taktisches Konzept ging perfekt auf. „ Als ich die große Zahl der Starter sah, war mir klar, dass ich mich nur ganz weit vorne im Feld einigermaßen sicher fühlen konnte“. Bereits nach wenigen Minuten kam auf die vielen Teilnehmer die erste heikle Situation zu, als das riesige Feld auf eine dreispurige Bundesstraße einbiegen musste. „Ich hatte es ohne Sturz geschafft, da ziemlich weit vorne mit dabei zu sein, während es weiter hinten immer wieder mal krachhte“ , erzählt Sebastian Körber, der sich vor dem Rennen die Strecke genauer ansah. „Dabei stellte ich fest, dass auf der 1000 Meter langen Zielgeraden in der „Straße des 17. Juni“ starker Rückenwind herrschte. Kurz vor dem vor dem Start habe ich deshalb doch noch eine größere Scheibe aufgelegt“, erzählt der pfiffige Katzwanger, dem bei der Wahl der richtigen Übersetzung seine langjährige Erfahrung bei Bahn- und Steherrennen zugute kam. „Um ein Straßenrennen ohne Schaltung optimal zu fahren, muss man ein gutes Gefühl für die Strecke und die Windverhältnisse haben“, sagt Sebastian Körber, der bis zum rasanten Finale taktisch sehr clever fuhr. Erst auf den letzten einhundert Metern kam er aus dem Windschatten seiner schnellsten Rivalen um dann unaufhaltsam zuzuschlagen. Neben dem ganz speziellen weißen „Weltmeistertrikot-Trikot“ erhielt Sebastian Körber als Sieger-Preis einen superleichten Rennrahmen. „ Der WM-Rahmen wurde der bekannten Designerin Anna T. Iron handbemalt und ist eigentlich viel zu schade um ihn bei Rennen zu benützen“, sagt Sebastian Körber. Das wertvolle Unikat wird deshalb im Heim des vielseitigen Katzwanger Radsportlers einen Ehrenplatz bekommen. Seine zahlreichen Fans verspricht Sebastian Körber, dass er trotz seines "WM-Sieges" im Trikot des AAN-Racingteams für den RC Wendelstein weiterhin "normale Rennen" fahren wird. „ Vor allem bei der Deutschen Derny-Meisterschaft, die am 8. August am Reichelsdorfer Keller stattfindet, möchte ich gut abschneiden“.

Manfred M a r r

Neben dem handgemalten Design ist am WM-Rahmen auch der Gummi-Antriebsriemen einmalig. Man fährt ohne die übliche stählerne Fahrradkette!