Ein Lichtblick in Frankens trüber Radspotszene

Bayerns erfolgreichster Fahrer Florenz Knauer trägt 2016 das blaue Hermann-Trikot!
Frankens Radsportvereine haben schon bessere Zeiten erlebt. Jahr für Jahr werden die Rennveranstaltungen und auch die aktiven Rennsportler immer weniger und - was noch beunruhigender ist - es fehlt in den meisten Vereinen ganz deutlich am Nachwuchs. So haben derzeit in der Region außer dem RC Herpersdorf, dem RV Union Nürnberg und dem RC Wendelstein etliche Tradtionsvereine wie der RSC Fürth, der RC Schwalbe Nürnberg, der Tourenklub Schwabach, der RC 50 Erlangen und der RC Germania Weißenburg kaum noch Rennsportler in ihren Reihen. Eine besorgniserregende Entwicklung, die immer deutlicher wird und im krassen Gegensatz zur Situation im deutschen Profi-Radsport steht. Obwohl Deutschlands Profi-Asse John Degenkolb, Marcel Kittel, André Greipel und Tony Martin regelmäßig ganz große internationale Siege erkämpften und in den letzten drei Jahren 19 (!) Etappensiege bei der Tour de France feiern konnten, bleibt ein neuer Radsportboom wie man ihn einst nach den Erfolgen von Rudi Altig, Didi Thurau , zuletzt bei Jan Ullrich und Erik Zabel erlebte, leider aus. Viel schlimmer noch: Der Radsport stagniert derzeit gewaltig an seinen Wurzeln, auch bei uns in Nordbayern. Umso mehr darf man sich in Franken nun über den neuen Radsportverein „Radteam-Herrmann e.v.“ freuen, der im Herbst vergangenen Jahres gegründet wurde, mit dem Ziel den heimischen Rennsport noch mehr als bisher zu fördern.

Unter den rund 30 Mitgliedern des neuen Vereins sind zwölf Fahrer der Männerklasse und zehn Jugendliche Rennsportler! „Teamgeist, Erfahrung, und Spaß sind für uns die wichtigsten Punkte“ erklärte Peter Renner der als 1. Vorsitzender des neuen Radsportvereins weiterhin noch Mitglied des RC Herpersdorf ist, dem er und seine Teamkameraden viel zu verdanken haben, denn seine Wurzeln hat das Radteam-Herrmann beim RC Herpersdorf. Von 2010 bis 2015 fuhr ein Dutzend fränkischer Amateure sechs Jahre lang mit Herpersdorfer Lizenz als „Team Marin“ in die bayerische Spitzenklasse. Von diesem Team , das größtenteils aus Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg bestand, waren Peter Renner, Friedrich Meingast, Maximilian Hornung und Chrisopher Schunk die erfolgreichsten Fahrer. Als Gründungsmitglieder und Spitzenfahrer sind sie nun der harte Kern beim Radteam-Herrmann, das von der gleichnamigen Bauzubehör-Firma in Baiersdorf großzügig gesponsert wird. Initiator und Motor des neuen Vereins ist Peter Renner (28) , der seit über zehn Jahren erfolgreich im Sattel sitzt. Ihn gelang es, den radsportbegeisterten Unternehmer Stefan Herrmann als Hauptsponsor des neuen Vereins zu gewinnen. Mit Sprinter-Ass Christopher Schunk als Vize, leitet Peter Renner, der als Arzt am Nürnberger Südklinikum arbeitet, als 1. Vorsitzender die Geschicke des neuen Radsportclubs. „Unser Ziel ist es in diesem Jahr in der Männer-Eliteklasse Bayerns erfolgreichste Radsportmannschaft zu werden“, sagte Peter Renner bei der Teampräsentation optimistisch. Besonders wichtig ist für Renner und seine Mistreiter allerdings neben dem Rennsport der Männer auch eine gute Jugendarbeit und der Rad-Breitensport. Renner selbst und auch Christopher Schunk, derzeit Dokorand der Werkstoff-Wissenschaften, werden mit Unterstützung weiterer Mitglieder die Jugendarbeit leiten. Den obligatorischen „Radsport-Funktionär“, der selbst nicht aktiv ist, gibt es bei uns nicht“, erklärt Peter Renner, der sehr gut weiß, dass auf ihn und seine Teamkameraden in den nächsten Wochen eine Menge harter Arbeit zukommt. „ Wir haben in den letzten Monaten zehn Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren für den Radsport gewinnen können, die wir entsprechend fördern und ausbilden werden“, verspricht Peter Renner, der außerdem das Männer Team mit sechs Neuzugängen verstärken konnte. Prominentester Neuzugang ist der Lisberger Florenz Knauer. Der 27-jährige Oberfranke, der im Vorjahr 17 Rennen gewann, war in den vergangenen drei Jahren Bayerns siegreichster Fahrer. „Für meinen Wechsel zum Radteam-Herrmann war entscheidend, dass ich nun wieder für ein Team aus meiner fränkischen Heimat fahren kann“, erklärt Knauer, der 2015 das Trikot eines kanadischen Teams trug. Als Spitzenfahrer des Radteams-Herrmann freut sich der spurtstarke Allrounder auf ein interessantes und umfangreiches Rennprogramm, dass er in der neuen Saison nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern gemeinsam mit einem kompletten Team bestreiten wird. Dabei hat Florenz Knauer nur einen Wunsch: „ Neben den traditionellen bayerischen Rennen möchte ich heuer auch bei einigen Rundfahrten starten, besonders gerne bei bei der Oberösterreich-Rundfahrt, bei der ich schon zweimal das Trikot des besten Sprinters gewinnen konnte“. Florenz Knauer, der auch als Cross-Fahrer zur bayerischenSpitzenklasse zählt, freut sich auf seinen ersten Renneinsatz mit den neuen Teamkameraden, die er fast alle als langjährige Gegner sehr gut kennt. „ Gerade deshalb denke ich, dass unser Teamwork sehr gut funktionieren wird“, sagt der neue Kapitän des Teams, das wie schon in den letzten Jahren von Dr. Leonard Fraunberger vom Erlanger IQ-Move-Institut der Sportwissenschaften otimal betreut wird. Auch die Ausrüstung der Mannschaft, die mit neuen Teamfahrzeugen des Baiersdorfer Autohauses Baumann versorgt wurde, ist hervorragend. Wie Weltmeister Peter Sagan fahren die „Hermänner“ 2016 auf den neusten Rennmaschinen der Firma Specialiced, gesponsort von der Fahrradecke-Erlangen. Nach einem kurzen Trainingslager auf Mallorca in der ersten Märzwoche fällt der erste Startschuss der Saison für das Radteam-Herrmann am 26. März am Sachsenring. Eine Woche später wollen die schnellen Franken beim bayerischen Saisonaufakt in Zusmarshausen ganz vorne mitmischen. Die zehn neuen Schüler und Jugendfahrer des Vereins werden in den in den Klassen U11 bis U17 erstmals an den Start gehen. „Für sie werden wir nachhaltige und ehrliche Nachwuchsarbeit leisten um mit beitzutragen, dass dem Radsport auch bei Jugendlichen wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil wird“, betont Team- und Vereins-Chef Peter Renner.

Um Radsport-Einsteigern den ersten Schritt leichter zu machen bietet man beim Radteam-Herrmann einen besonderen Service: „Wer erste Versuche im Rennsattel machen möchte kann dies gerne auf unseren Leihräder tun“, sagt Peter Renner, der dabei nicht nur an Jugendliche denkt. Bei soviel Egagement für den Zweirad-Sport wollte Baiersdorfs Bürgermeister Andreas Galster, der sich als e-Biker outete, nicht zurückstehen. „ Wir sollten nun auch über eine Förderung durch die Stadt Baiersdorf sprechen“, regte Galster an und spontan fragte er Peter Renner: „ Warum macht das neue Radteam-Herrmann kein Rennen bei uns in Baiersdorf, nachdem heuer das Nürnberger Radrennen ausfällt ? “ Noch ehe Vereinsboss Peter Renner, der angenehm überrascht war, darauf antworten konnte, sagte Bürgermeister Galster die Unterstützung der Stadt Baiersdorf für eine Rennveranstaltung noch in diesem Jahr zu. „ Bayerns Verbandsjugendleiter Toni Hornung (Werneck) und Peter Bohmann (Nürnberg), der BRV-Vize-Präsident für den Rennsport, die als Gäste anwesend waren, reagierten darauf prompt mit der mit der Zusage einen passenden freien Renntermin zu finden. „Ein erfreulicher Abschluss der Teampräsentation, wie man ihn sich kaum schöner hätte wünschen können“, strahlte Hauptsponsor Stefan Herrmann, der als begeisterter Hobby-Radler bei Jedermann-Rennen zur deutschen Spitzenklasse zählt.

Manfred M a r r

Radteam-Herrmann 2016

Die zwölf Fahrer des Radteams-Herrmann 2016:
Friedrich Meingast, Maximilian Hornung, Maik Hammann, Friedrich Schweizer, Peter Renner, Alés Großberger, Christopher Schunk, Christian Dengler, Peter Förster, Pascal Hartmann, Markus Kolb und Bernd Korndörfer.