Hochklassiger Radsport vor stattlicher Kulisse

RMC Lohengrin Stein war Gastgeber eines Bundesligaspieltags im Radball und Radpolo

Radball und Radpolo zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte gemeinsam bei einem Bundesliga-Spieltag: Premiere und Höhepunkt zugleich beim RMC Lohengrin Stein in der Sporthalle am Weihersberg. Der spannende Sport begeisterte über 300 Zuschauer.

Nur die vier Mladys – die Cousins Bernd und Gerhard im Radball und die Schwestern Monika und Sonja bei ihrem ersten Auftritt als Radpolo-Bundesligist in Stein – waren nicht so ganz zufrieden mit ihren Auftritten, „denn einiges hätte besser laufen können, da war noch Platz nach oben“.

„Mal sehen“, hatte Kurt Mlady, der MSC-Vorsitzende, bei der Vorstellung der Mannschaften in Richtung des Pokalsiegers und in der Liga bisher ungeschlagenen SV Eberstadt und mit Blick auf die eigenen großen Ambitionen geflachst, „ob es heute bei dieser Dominanz bleibt“. Blieb es nicht, obwohl Jens Krichbaum/Marco Rossmann im „Schlagerspiel“, einem Duell mit allen technischen und taktischen Finessen, den Angriff der sehr konzentriert spielenden Steiner Herausforderer Bernd und Gerhard Mlady mit einer Portion Glück noch abwehrten. 1:2 hieß es nach Pfosten- und Lattentreffern der Gastgeber, glänzenden Reaktionen des überragenden Torwarts Krichbaum und einem sehr umstrittenen Viermeter-Strafstoß zum späten Siegtor.

„Gegen die kann man durchaus verlieren“, zog Bernd Mlady hinterher Bilanz, aber weil vorher bereits das Auftaktduell gegen den SV Ehrenberg 4:5 verloren worden war („Das sollte eigentlich nicht passieren“), wurde es nichts aus dem erhofften Sprung in Richtung Spitzenduo. Zwei, drei eigene Fehler, dazu zwei gegen den starken Rico Rademann im Tor vergebene Viermeter-Strafstöße sind auf diesem Niveau nicht auszugleichen.

Obwohl die Siege danach gegen RSG Ginsheim (6:1) und RSV Waldrems (4:3) „nur“ für ein durchwachsenes Steiner Abschneiden sorgten, hat Bernd Mlady noch einiges vor in dieser Saison: „Es ist erst Halbzeit, und ich bleibe dabei, dass wir unser Mindestziel, nämlich den Platz als Ersatzteam bei der WM, erreichen.“

Wie eng es zwischen den meisten Teams zugeht — jeder kann fast jeden schlagen — unterstrichen die Ehrenberger zuerst mit ihrem umjubelten 2:1 über Eberstadt, das damit seine weiße Weste im letzten Spiel der Vorrunde eingebüßt hat, und wenig später mit dem 1:5 gegen Ginsheim, so dass die wichtigen Plätze drei bis fünf, die die Qualifikation für die zwei Final-Five-Turniere und das Endturnier um den deutschen Titel bedeuten, hart umkämpft bleiben.

Radpolo stand zwar klar im Schatten des Radballs, auch wenn die Mlady-Schwestern mit sieben Punkten aus ihren vier Duellen – 4:6 gegen Wetzlar, 5:0 gegen Ginsheim, 7:7 gegen Seeheim und 6:5 gegen Kostheim – einen Punkt mehr als der männliche Teil der Familie gewannen. Ärgerlich dennoch, war doch das Unentschieden nach einer 6:3-Führung unnötig, und auch bei der Auftaktniederlage gegen Wetzlar waren die Nerven der stärkere Gegner als der Gast. Ein Lernprozess eben, „die Hauptsache ist ohnehin, dass es Spaß macht“ (Sonja Mlady) – und das war vor einer für Radpolo ungewohnt großen Kulisse der Fall.

Apropos, Zuschauer: „Über ein bisschen mehr Interesse, ein bisschen mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit würden wir uns schon freuen, denn wir müssen uns mit unserem Sport wahrlich nicht verstecken“, wünscht sich Kurt Mlady, aber er weiß aus Erfahrung, „dass zu uns leider keine Laufkundschaft, sondern nur Fachpublikum kommt“. Das kommt immerhin aus ganz Bayern, hat sich Stein doch längst zu einer Hochburg des Hallenradsports gemausert.

Radball-Bundesliga: 1. SV Eberstadt 11 Spiele/30 Punkte, 2. RV Gärtringen 11/30, 3. RV Obernfeld I 11/21, 4. SV Ehrenberg 11/20, 5. RMC Stein 11/19, 6. RC Oberesslingen 11/17, 7. RSG Ginsheim 11/14, 8. RSV Waldrems 11/11, 9. RV Obernfeld II 11/9, 10. RC Iserlohn 11/9, 11. KSV Leipzig 11/6, 12. RKV Denkendorf 11/4.

Radpolo-Bundesliga: 1. RV Etelsen 11 Spiele/33 Punkte, 2. RSV Frellstedt II 11/28, 3. Reideburger SV 11/20, 4. RSV Obernfeld II 11/20, 5. RSV Kostheim 11/18, 6. RV Halle 11/16, 7. RMC Stein11/13, 8. RKB Wetzlar 11/13, 9. RSV Obernfeld I 11/10, 10. RSV Frellstedt II 11/7, 11. RSG Ginsheim 11/6, 12. RSV Seeheim 11/4.

Wer dachte, Polo spielt man nur auf Pferden, durfte sich in Stein eines Besseren belehren lassen.