Toni Rottmann wurde 90 Jahre

Seit 75 Jahren ein Leben mit und für den Radsport

Rund 20 Jahre lang saß Toni Rottmann vor und nach dem zweiten Weltkrieg im Trikot des Tourenklubs Nürnberg begeistert im schmalen Rennsattel. Als Jugendfahrer, Amateur und Senior war er auf Bahn und Straße erfolgreich. Auch nach 1963, als er mit 40 Jahren seine Rennmaschine an den berühmten Nagel hängte, blieb der gebürtige Nürnberger, der am 11. Juni 90 Jahre alt wurde, dem Radsport weiterhin eng verbunden. Mehr als vier Jahrzehnte war Toni Rottmann für den „TCN“, den „Verein-Sportplatz“ und für den Radsport-Bezirk Mittelfranken als Fachwart, Jugendleiter, Betreuer, Mechaniker, Trainer, Funktionär - und ab 1968 auch als Schrittmacher im Einsatz. „Meinen 90. Geburtstag möchte ich am liebsten auf der Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller feiern, wo ich die meisten und auch die schönsten Jahre meines Lebens verbrachte“, war sein größter Wunsch, der jedoch nicht in Erfüllung ging. Nach einem weiteren Schlaganfall vor wenigen Tagen musste Toni Rottmann die Glückwünsche seiner vielen Sportfreunde leider am Krankenbett entgegennehmen.

„ Als ich 1938 mit 15 Jahren mein erstes Radrennen fuhr, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass mich der Radsport nie mehr los lässt“, erzählt Toni Rottmann, der in diesem Jahr ein weiteres außergewöhnliches Jubiläum feiern könnte: Seit 75 Jahren (!) ist er Mitglied im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und im Bayerischen Radsportverband! Beim Tourenklub Nürnberg, dem Toni Rottmann bis zu seiner Auflösung 2004 treu blieb, war er jahrzehntelang der ruhende Pol, der den jeweiligen 1. Vorsitzenden bei allen Problemen zuverlässig und hilfreich zur Seite stand. Das Wort „Funktionär“ hörte er dabei nicht gerne. Für ihn war es selbstverständlich jederzeit für den Radsport und vor allem für die Jugendlichen da zu sein! Heute noch schwärmt er von den 1960er-Jahren: „ Zusammen mit Altmeister Fritz Scheller habe ich damals als Jugendleiter unsere jungen Talente betreut und trainiert, die für den Tourenklub zahlreiche bayerische und mehrere deutsche Meistertitel holten“. Was er dabei nie erwähnt: Nicht selten fuhren weniger betuchte junge Radsport-Neulinge auf Rennmaschinen, die ihnen Toni Rottmann in seiner Werkstatt zusammenbaute und kostenlos zur Verfügung stellte.

1968 waren Rottmann (weisser Helm) und Durst (ganz rechts) unter den ersten Schrittmachern

Als man 1967 am Reichelsdorfer Keller mit dem Amateur-Stehersport begann zählte Toni Rottmann zum kleinen Kreis jener Idealisten, der die erfolgreiche „Nürnberger Steher-Schule“ aufbaute. Zusammen mit dem langjährigen BRV-Präsidenten Hans Bandele und dem Bezirks-Vorsitzenden Fritz Scheller besorgte er günstig zehn gebrauchte Polizei-Motorrräder, die er in zahlreichen Arbeitsstunden mit einigen weiteren Idealisten zu Schrittmachermaschinen umbaute. Ein neues, sehr erfolgreiches Kapitel des fränkischen Stehersports begann damit am Reichelsdorfer Keller. Die vielen Deutschen Meistertitel und drei Weltmeistertitel, die ab 1968 die Gebrüder Duschl, Horst Gnas, Klaus Burges, Roland Renn und Mario Vonhof nach Franken holten, waren für Toni Rottmann die schönste Belohnung. Er ließ sich auch nicht lange bitten, als man 1968 fränkische Schrittmacher-Neulinge suchte und ausbildete. Zusammen mit Dieter Durst, der später EM- EM- und Deutsche Meistertitel in Serie gewann, begann er noch als 45-Jähriger seine Karriere als Schrittmacher. In seinem Windschatten erkämpften unter anderen Weltmeister Rainer Podlesch (Berlin), der zweifache Deutsche Meister Klaus Burges (Schwabach) und der mehrfache Bayernmeister Helmut Kiesel zahlreiche Siege. Klaus Burges, der für den Tourenklub Schwabach startete, erinnert sich noch gut daran, dass er 1972 durch Toni Rottmann zum Steher-Sport fand. „ Ich hatte eigentlich schon mit dem Radsport abgeschlossen, als Toni mich überredete, ein paar Test-Runden mit ihm als Schrittmacher zu fahren“. Auch Horst Gnas der dreifache Weltmeister (1971-1973) vergaß nie, dass er hinter Toni Rottmann seinen ersten Sieg als Steher feierte: „ Darüber hat sich der Toni fast noch mehr gefreut als ich. Damals nahm er in Nürnberg alle Neulinge an seine Rolle. Er hat uns mit seiner Begeisterung alle angesteckt und ermuntert mit dem Stehersport weiter zu machen“.

Ilse Lehner, die langjährige Frauenwartin des Bayerischen Radsport-Verbandes gründete 1993 zusammen mit Herbert Oppelt beim Tourenclub Nürnberg ein erstes Bundesliga-Team für Frauen. Damals ein echtes Novum und keine leichte Aufgabe, bei der Toni Rottmann vom Beginn an begeistert und hilfsbereit wie immer dabei war. „Es war unglaublich, wie sich diese neue Mannschaft Jahr für Jahr zum besten deutschen Frauenteam entwickelte, aus dem später die Profi-Mannschaft Equipe Nürnberger entstand“, schwärmt Toni Rottmann noch heute. „Am meisten gefreut habe ich mich über den Weltmeistertitel von Regina Schleicher im Jahr 2005“, sagt Toni Rottmann, dessen wertvollste Radsport-Trophäe ein signiertes Regenbogentrikot der Weltmeisterin ist.

Hier war T. Rottmann rund 30 Jahre glücklich

Seit seinem ersten Schlaganfall 2004 ist Toni Rottmann stark gehandicapt und auf den Rollstuhl angewiesen. „ Zu den Renntagen am Reichelsdorfer Keller muss ich ihn aber unbedingt bringen“, erzählt seine ebenfalls radsportbegeisterte Ehefrau Margarete, die diesen schweren zusätzlichen Einsatz ihn zu Liebe immer wieder auf sich nimmt, denn sie weiß: „ Wenn Toni am Rand der Rennbahn sitzt, die Rennen verfolgt und alte Freunde trifft, vergisst er für einige Stunden alle seine Sorgen und Schmerzen.“ Seine vielen fränkischen Radsportfreunde wünschen dem „Rottmanns-Toni“ zum 90. Geburtstag gute Besserung! Sie alle hoffen, dass sie ihn recht bald wieder „ am Keller“ begrüßen können.

Margarete u.Toni Rottmann 2012 am Reichelsdorfer Kelle

Manfred M a r r