Toni Rottmann verstarb mit 90 Jahren

Ein Leben für den Radsport ging zu Ende
Im Alter von 90 Jahren verstarb vor wenigen Tagen Toni Rottmann. Der gebürtige Nürnberger, der 1938 als 14-Jähriger zum Radsport fand, war sechs Jahrzehnte lang als Rennfahrer, Betreuer, Mechaniker, Funktionär und als Schrittmacher für den Radsport im Einsatz. „Auf der Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller war der einmalige Radsportidealist in den Sommermonaten häufiger anzutreffen als in seinem Haus in Großgründlach“, erinnert sich Schrittmacher-Legende Dieter Durst (69), der 1967 zusammen mit Toni Rottmann zu den Neulingen im Stehersport zählte. „Die Rennbahn ist mein Zuhause, hier möchte ich am liebsten einmal begraben werden“, sagte Toni Rottmann immer wieder, wenn er in den letzten Jahren die Rennen der Steher im Rollstuhl verfolgte.

Toni Rottmann 1972 mit Steherneuling Klaus Burges

Ebenso eng wie mit der traditionsreichen 400m-Piste war Toni Rottmann auch mit „ seinem Verein“, den Tourenclub Nürnberg verbunden, dessen Mitglied er rund 70 Jahre lang bis zu seiner Auflösung war. Als Rennfahrer fuhr er bis zum Ende der 1950er-Jahre als Amateur und Senior auf Bahn und Straße. Danach war er als „Mädchen für alles“ die Seele des kleinen Radsportvereins. Obwohl er nie 1. Vorsitzender des TCN war, war Rottmann bis zu seinem 80. Geburtstag in allen Bereichen im Einsatz und der ruhende Pol, der dem jeweiligen 1. Vorsitzenden unermüdlich und zuverlässig zur Seite stand. Rottmann war kein Mann großer Worte, sondern ein Mann der Tat und der Praxis, der immer dann zur Stelle war, wenn im Verein echter Einsatz gefragt war auch wenn es galt Opfer zu bringen und mit anzupacken. Besonders wird Rottmann´s beispiellose Hilfsbereitschaft in Erinnerung bleiben, mit der er jahrzehntelang vor allem Jugendlichen des Vereins mit dem nötigen Rennmaterial aus seinem reichen Fundus versorgte.

In seiner Garage hatte Toni jede Menge Rennmaterial in Reserve

Am liebsten erinnerte sich Toni Rottmann an die 1960er-Jahre, in denen er zusammen mit Altmeister Fritz Scheller den Tourenclub-Nachwuchs betreute, der damals zahlreiche Siege, viel bayerische und mehrere deutsche Meistertitel holte“. Auf Bahn und Straße zählten Hans Kellermann, Klaus Burges, Robert Kupfer, Heinz Pilhofer, Karl-Heinz Schmidt, Wolfgang Hellwig und Manfred Rietzke zur deutschen Spitzenklasse! Restlos begeistert war Rottmann als er ab 1967 rund 30 Jahre lang als Schrittmacher im Sattel saß, wobei er regelmäßig weitere Steherneulinge gewann, sie unterstützte und motivierte. „Ohne Toni wäre ich nie Steher geworden“, erinnert sich Klaus Burges vom Tourenklub Schwabach, der 1975 und 1977 zweimal Deutscher Stehermeister wurde, heute noch dankbar. „Auch ich hatte Toni Rottmann sehr viel zu verdanken“, ergänzt Herbert Oppelt, der ab 1993 als 1. Vorsitzender des Tourenclubs Nürnberg die erste deutsche Bundesliga-Mannschaft der Frauen aufbaute, aus der später das Profi-Team „Equipe der Nürnberger Versicherung“ entstand. „ Für mich war Toni Rottmann vor allem in den schweren ersten Jahren die wichtigste Stütze. Er war einfach immer zur Stelle wenn man ihn brauchte“. Bis zu seinem 80. Geburtstag war dies alles für Toni Rottmann selbstverständlich, doch kurz danach erlitt er einen Schlaganfall, dem in den folgenden Jahren viele weitere gesundheitliche Probleme folgten.

Toni Rottmann mit Ehefrau Margarete am Keller

Den Radsport verlor Toni Rottmann allerdings auch dann nicht aus den Augen . Seine Ehefrau Margarete, die ihn über zehn Jahre aufopferungsvoll zuhause pflegte, musste ihn bis 2013 regelmäßig mit dem Rollstuhl zu den Steherrennen am Reichelsdorfer Keller bringen. Für einige wenige Stunden vergaß er dabei seine großen Probleme und die vielen Schmerzen. Seinen vielen Radsport-Freunden wird der „Rottmanns-Toni“ unvergessen bleiben!

Manfred M a r r