Fürther Radsport-Pionier Ernst Feigl wurde 80 Jahr

Seinen 80. Geburtstag feierte am 6. Mai das fränkische Radsport-Urgstein Ernst Feigl. Seit er von 1955 bis 1959 als Amateur das Trikot des „RC Kleeblatt Fürth“ trug, ist der Radsport für den Jubilar bis heute die „wichtigste Nebensache “ gebieben. Dreißig Jahre lang war Ernst Feigl von 1963 bis 1992 ohne Unterbrechung in der Vorstandschaft des RC Kleeblatt Fürth aktiv, der sich unterseiner Regie 1967 mit dem RC Triumph Fürth zum „RSC Fürth“ zusammenschloss. Als Funktionär und großzügiger Förderer hat der gebürtige Nürnberger rund fünf Jahrzehnte lang ein großes Stück der fränkischen Radsportgeschichte mitgestaltet und geprägt .
Feigls wichtigstes Anliegen war es stets, neben dem beliebten Fürther Cross-Rennen, das seit 1951 stattfand, in Fürth auch ein großes Straßenrennen durchzuführen. Zusammen mit Fürths Altmeister Georg Hegendörfer und dem unvergessenen Radsport-Mäzen August Bätz war Ernst Feigl 1967 Initiator des traditionellen „Frühjahrs-Straßen-Preises“, der vor wenigen Tagen zum 48. Mal durchgeführt wurde. Unter seiner Regie wurde diese Radsport-Großveranstaltung, die fast immer als BDR-Auswahl-Rennen oder als Bundesliga-Rennen ausgetragen wurde, zum viel beachteten Höhepunkt des bayerischen Radsportkalenders und damit zum traditionellen „ fränkischen Frühjahrs-Klassiker “. Auch eine Deutsche Straßenmeisterschaft der Jugendklassen und zahlreiche Bayerische Meisterschaften fanden unter Ernst Feigl´s Regie auf der bewährten Cadolzburger-Runde statt.

Ernst Feigl 1981 bei seinem Frühjahrs-Preis

„ Es freut mich, dass unser Frühjahrs-Straßen-Preis noch immer eine derart große Resonanz bei den Fans und den Fahrern hat. Zugleich tut es mir aber noch immer weh, dass seit vielen Jahren das Ziel der Rennen nicht mehr in Fürth sein kann“, sagt der Jubilar und fügt kritisch hinzu: „ Das ist sehr schade, denn seitdem gibt es in der Stadt Fürth kein einziges Radrennen mehr“. Doch der Radsportpionier Ernst Feigl, der im Jahr 2001 zum letzten Mal die Organisation des Frühjahrs-Strassen-Preises leitete, darf mit berechtigtem Stolz auf seine langjährige gute Arbeit zurückblicken, denn kein anderer bayerischer Radsportverein führte so konstant wie der RSC Fürth alljährlich zwei große Veranstaltungen durch, wobei seit 2002 Bernd Hilpert, der 1. Vorsitzende des RSC Fürth die große Tradition mit ebenso großen Engagement fortsetzt.
Ernst Feigl hat sich nicht nur durch seine Veranstaltungen um den Fürther Radsport verdient gemacht, er war darüber hinaus auch stets für die Entwicklung des gesamten nordbayerischen Radsports im Einsatz. Als 1973 in Nürnberg-Katzwang die „RSG-Paintco-Franken“, gegründet wurde, aus der später die erfolgreiche RSG-Nürnberg und anschließend das Profi-Team Nürnberger entstand, hatte Ernst Feigl ganz wesentlichen Anteil am Gelingen dieser damals viel Aufsehen erregenden ersten „Renngemeinschaft“ Bayerns. Nicht nur, dass Ernst Feigl die neue RG - zu der damals auch der RSC Fürth als Trägerverein gehörte - großzügig finanziell und materiell unterstütze, er besorgte dem jungen Verein auch den ersten Sponsor! In jenen Jahren ein absolutes Novum im Radrennsport der deutschen Amateure! Auch als sich der Nürnberger Verein in den 80-er-Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Clubs entwickelt hatte , war es Ernst Feigl, der durch seine guten Kontakte, die Verbindung zur Firma Hercules knüpfte, die daraufhin unter ihrem Namen rund zehn Jahre lang die RSG-Nürnberg sponserte! „Mir war es wichtig, dass im Raum Franken der Straßenrennsport auf höchstem Niveau gepflegt wurde“, erinnert sich Feigl an seine damaligen Bemühungen. Zugleich hatte Ernst Feigl jedoch auch immer den Fürther und den fränkischen Radsportnachwuchs im Blick und zusammen mit Gerhard Martin, Rüdiger Frankenberg und Theo Immendörfer war er stets auch für junge Radsporttalente im Einsatz.
Erinnerungen aus dem bunten Radsportgeschehen gibt es für Ernst Feigl nach rund fünf Jahrzehnten sehr viele. „Überwiegend auch Schöne, Lustige und Angenehme“, sagt Ernst Feigl schmunzelnd und erzählt, wie man sich vor vielen Jahren einmal beim Rennen in Cadolzburg mit dem örtlichen Pfarrer arrangierte: „ Die Rennen fanden damals noch am Sonntagvormittag statt und der Pfarrer reklamierte während der Veranstaltung, dass unsere Lautsprecher seine Predigt stören. Er bat uns für eine halbe Stunde die Lautstärke zu drosseln. Das haben wir sofort gemacht und der Pfarrer war darüber so erfreut, dass er nach seinem Gottesdienst ans Ziel kam und sich an den Siegerehrungen beteiligte. Danach hatten wir in Cadolzburg das beste Verhältnis zur Kirche“. Am meisten freute sich Ernst Feigl in den vielen Jahren immer wieder über die großen Teilnehmerzahlen beim Fürther Frühjahrs-Klassiker, denn auch er weiß, dass es Jahr für Jahr schwieriger wird die Großveranstaltung, die vor wenigen Tagen zum 48. Mal stattfand, durchzuführen. „ Es wäre jammerschade, wenn es dieses letzte große nordbayerische Straßenrennen nicht mehr geben würde“, sagt der rüstige Radsportenthusiast, der fast täglich durch seine fränkische Heimat radelt. „Nach knapp 50 Jahren habe ich nun endlich auch dafür die nötige Zeit“, sagt Ernst Feigl, der von 1968 bis 2015 als Inhaber des Fachgeschäfts „Radsport-Schertl“ täglich für seine Kunden und vor allem für die Radsportler, in seinem Laden acht Sunden lang zur Stelle war.
Als aufmerksamer Beobachter verfolgt Ernst Feigl noch immer die nationale und internationale Radsportszene. „ Da hat sich ja sehr viel verändert, vor allem der Profi- Radsport hat inzwischen auch in Deutschland einen enormen Stellenwert erreicht“, sagt Ernst Feigl, der zugleich auch die große Schattenseite sieht: „Es gibt heute leider viel zu wenig kleine Rennen, vor allem immer weniger Wettbewerbe für Schüler und Jugendliche, das ist sehr traurig“. Ernst Feigl weiß, dass dieses Problem nicht leicht und vor allem nicht schnell zu lösen ist, deshalb sein größter Geburtstagswunsch: „Ich kann nur an die Radsportvereine appellieren, wieder mehr gezielte Jugendarbeit zu leisten und kleine Veranstaltungen für den Nachwuchs durchzuführen. Nur so können wir eine absehbare Misere in nicht allzu ferner Zukunft noch vermeiden“. Auch für den Bahnradsport der Region interessiert sich Ernst Feigl nach wie vor. Zu den Plänen, die Rennbahn am Reichelsdorfer Keller abzureißen und dafür in Langwasser eine neue Hallenbahn zu errichten, hat er allerdings einen anderen Vorschlag: „ Ich denke, das Gelände der einstigen ASN-Bahn in Ziegelstein wäre hierfür in U-Bahn-Nähe zentraler gelegen und auch wesentlich besser geeignet“.

Manfred M a r r