Frankens Radsportler trauern um Heinz Jakobi

Der Altmeister der Profi-Steher starb mit 92 Jahren an den Folgen eines Unfalls
Frankens Radsportler trauern um Heinz Jakobi. Der 92-jährige Altmeister des Stehersports erlag am 17. November an den Folgen eines Unfalls vom 9. September. Als dreifacher Deutscher Meister der Profi-Steher lieferte sich Heinz Jakobi in den 1950er-Jahren auf sämtlichen Bahnen Europas vor tausenden begeisterter Fans mitreißende Schlachten mit den internationalen Steher-Assen. Neben Fußball-Weltmeister Max Morlock war Heinz Jakobi vor rund 60 Jahren Nürnbergs prominentester und erfolgreichster Sportler.
„Der Radsport lag bei mir bereits in der Wiege. Schon vor dem ersten Weltkrieg war mein Vater Nürnbergs erster Deutscher Radsport-Meister, Sieger bei mehr als 300 Bahn-Rennen und damit einer der erfolgreichsten deutschen Rennfahrer“, erzählte Heinz Jakobi oft stolz. Mit 14 Jahren stieg er 1936 begeistert in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters. Als 16-Jähriger gewann er Frankens Straßenmeisterschaft der A-Jugendklasse, doch ein Jahr später brach der zweite Weltkrieg aus, der ihn um seine besten Jahre als Sportler brachte.

Heinz Jakobi 1956 mit Schrittmacher Van den Bosch

Erst ab 1947 gab es in Deutschland wieder regelmäßig Radrennen bei denen der nun 25-jährige Heinz Jakobi im Trikot des RC Herpersdorf unaufhaltsam in die deutsche Spitzenklasse fuhr. Als Amateur war er Bayerischer Meister, Süddeutscher Meister, Sieger zahlreicher deutscher „Straßen-Klassiker“ und 1948 mit der Herpersdorfer Mannschaft Deutscher Meister über 100 Kilometer! 1952 wagte Heinz Jakobi den Schritt ins Lager der damals sehr populären Profi-Steher. Nach zwei harten „Lehrjahren“ wurden seine Ausdauer und sein großer Ehrgeiz belohnt. 1954 gelang ihm mit zehn Saison-Siegen der Durchbruch in die Elite der Steherszene. Die Spitze unter den damals sehr zahlreichen und guten deutschen Profi-Stehern eroberte sich Heinz Jakobi 1956 als er mit dem belgischen Schrittmacher Martin Van den Bosch in Frankfurt die Deutsche Meisterschaft über 100 Kilometer gewann. Mit 32 Siegen war er im gleichen Jahr erfolgreichster Steher der Welt! Zwei weitere deutsche Steher-Meisterschaften gewann er souverän 1958 und 1959 mit dem Katzwanger Schrittmacher Kurt Schindler. Am Reichelsorfer Keller war das erfolgreiche fränkische Gespann kaum zu schlagen. Für seine vielen Fans galt Titelverteidiger Heinz Jakobi deshalb auch als absoluter Top-Favorit der Deutschen Stehermeisterschaft 1960, zumal diese am Reichelsdorfer Keller stattfand.

Heinz Jakobi: "Radfahren ist die beste Medizin"

Auf dem Rad fühlte sich Heinz Jakobi am wohlsten

Doch leider kam es dann ganz anders: Beim Nürnberger Saisonauftakt 1960 stürzte Heinz Jakobi nach einem Rahmenbruch an der Schrittmachermaschine sehr schwer. Bei einer Geschwindigkeit von rund 75km/h flog er in der Steilkurve in hohem Bogen über seinen Schrittmacher Kurt Schindler und dessen schwere Maschine. Mit einem Schädelbruch, elf Knochenbrüchen und vielen weiteren Verletzungen musste er im Nürnberger Klinikum sofort mehrfach operiert werden. Als er danach tagelang auf der Intensivstation lag, bangten seine fränkischen Fans um sein Leben. Erst nach einigen Wochen konnte Heinz Jakobi das Krankenhaus wieder verlassen. An eine Fortsetzung seiner Karriere war allerdings nicht mehr zu denken. 1961 wagte Heinz Jakobi trotz erheblicher Probleme und gegen den Rat seiner Ärzte einen Comeback-Versuch, der jedoch scheiterte. “ Ich war völlig verzweifelt, wollte unbedingt wieder Rennen fahren, doch die Schmerzen an vier angebrochenen Wirbeln waren schon nach wenigen Minuten zu stark“, stellte er damals enttäuscht fest. Nach über zwanzig erfolgreichen Radsportjahren erklärte er schweren Herzens seinen Rücktritt vom Rennsport.

Andreas Zentara mit Heinz Jakobi am Keller

Im Sattel seines Fahrrads saß Heinz Jakobi, der Stammgast bei den Straßenrennen der Region und „ am Keller“ war, bis ins hohe Alter noch immer gerne und regelmäßig. Auch etliche gesundheitliche Probleme in den letzten Jahren konnten ihn davon nicht abhalten: “Am liebsten fahre ich immer am Europa-Kanal entlang, wenn das Wetter einigermaßen passt. Das ist für mich die beste Medizin“, sagte der erstaunlich rüstige Altmeister an seinem 90. Geburtstag. Zwei Jahre später, kurz nach seinem 92. Geburtstag, den er am 3. September feierte, stieg Heinz Jakobi letztmals in den Sattel. „Heinz, der mein großes Vorbild und Idol war, wird mir ebenso wie seinen vielen einstigen Fans unvergessen bleiben“, sagt der dreifache Steherweltmeister Horst Gnas.

Manfred M a r r