Stehermeister Fernow / Bäuerlein erneut souverän

Aufgeplatztes Schlagloch in der Betondecke zwang sieben Runden vor Schluss zum Abbruch
Beim „Sommer-Preis der Steher“ wurde der amtierende Deutsche Meister Florian Fernow seiner Favoritenrolle gerecht. Der 31-jährige Berliner gewann am Mittwochabend am Reichelsdorfer Keller mit seinem Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein souverän beide Läufe. Mit 18 Punkten holten sich Fernow/Bäuerlein den Gesamtsieg vor dem Wendelsteiner Sebastian Körber (Schrittmacher Baur) 15 und dem Aachener Robert Retschke (Schrittmacher Ehnert) mit ebenfalls 15 Punkten. Der entscheidende zweite Lauf über 40 Kilometer musste wegen einer Beschädigung der Bahn leider sieben Runden vor Schluss abgebrochen werden. Den „Nachwuchs-Lauf über 30 Kilometer gewann der Nürnberger Marcel Kuban (RV Union 1886) mit Schrittmacher Johannes Fuchs überlegen.

„Mit meiner derzeitigen Form bin ich zwar sehr zufrieden, doch ich weiß, es wird für mich nicht leicht werden, meinen Titel am 8. August in Bielefeld zu verteidigen“, erklärte Stehermeister Florian Fernow, der von Schrittmacher Peter Bäuerlein clever geführt , seine acht Gegner sicher im Griff hatte. Auch ein Reifenschaden im ersten Lauf konnte den blonden Berliner nicht aus der Ruhe bringen. Fast mühelos reihte er sich innerhalb der bei Defekten üblichen Rundenvergütung wieder ein und übernahm erneut die Führung. Weniger glücklich war bei seinem Reifenschaden im ersten Lauf Ronny Freiesleben. Der ...jährige Leipziger der keinen Betreuer zur Stelle hatte, verlor durch den Radwechsel sehr viel Zeit und fiel dadurch leider auf Platz neun zurück.

Meister Fernow gewann souverän die DM-Generalprobe

Lokalmatador Sebastian Körber, der im Windschatten des Singener Schrittmachers Helmut Baur fuhr, präsentierte sich in großartiger Form. Der 29-jährige Allrounder, der im ersten Lauf Platz drei erkämpfte, hatte sich vorgenommen Florian Fernow im zweiten Lauf nicht kampflos den Sieg zu überlassen. „Ich wollte in den letzten zehn Runden noch mal alles geben. Schade, dass es dann nicht mehr zu einem Duell kam“, bedauerte der zähe Wendelsteiner, dessen Schrittmacher Helmut Baur in der 91. Runde auf der Zielgeraden ein kleines Schlagloch aufriss, dem Körber nicht ausweichen konnte. Mit einem Raddefekt musste er auf Platz zwei liegend die Rolle verlassen. Ein Radwechsel und Neustart erübrigte sich, nachdem man in den beiden folgenden Runden auch alle übrigen Fahrer um das Schlagloch lotste und schließlich das Rennen abbrechen musste. „ Die Sicherheit und die Gesundheit der Sportler hat in solchen Situationen absoluten Vorrang“, betonte Bahnchef Andreas Zentara, der in den nächsten Wochen den Belag der 400m-Piste eingehend überprüfen und lassen wird. Nicht nur für Sebastian Körber war der plötzliche Schluss ärgerlich. Auch Robert Retschke und Christoph Breuer, die beim Abbruch auf den Plätzen drei und vier lagen, hätten mit Sicherheit noch für ein mitreißendes Finale gesorgt.

Helmut Baur mit Sebastian Körber auf Platz zwei

Ex-Meister Mario Vonhof, seit Januar Beauftragter für den Derny- und Stehersport im Bund Deutscher Radfahrer (BDR), zeigte sich mit den Leistungen der deutschen EM- Kandidaten sehr zufrieden:“ Fernow, Retschke, Breuer und auch Körber zeigten heute gute Leistungen. Vor allem Sebastian Körber hat sich in den letzten Wochen sehr beachtlich gesteigert. Ihm traue ich auch bei der DM eine gute Platzierung zu“. Obwohl beide in Nürnberg nicht am Start waren, erinnerte Mario Vonhof daran, dass mit Jan-Eric Schwarzer und Marcel Barth noch zwei weitere Top-Fahrer zu beachten sind. „Marcel Barth fuhr in den letzten Tagen bei diversen internationalen Bahnrennen sehr stark und Jan-Eric Schwarzer sollte man nie unterschätzen“.
Erfreut zeigte sich Mario Vonhof darüber, dass am Mittwoch zwei Franzosen und ein Brite mit am Start waren. „ Das gibt dem Stehersport international weiteren Aufschwung. Man muss diesen Fahrern allerdings noch etwas Zeit geben, denn für die Franzosen, die in Frankreich mit kürzerem Rollenabstand fahren, ist es eine gewaltige Umstellung“. Am Ehrgeiz fehlte es dem französischen Meister Emilien Clére und seinem Pariser Teamkameraden Alexandre Paccalet jedoch nicht. Beide zogen mit sichtlicher Begeisterung ihre schnellen Runden. Der Engländer Matt Gittings wurde von Mario Vonhof für den Stehersport gewonnen. „Der erst 21-jährige Bahnspezialist ist britischer Landesmeister hinter Dernys und zeigt auch als Steher sehr gute Veranlagung“, erklärte Vonhof, der dem kleinen Engländer seine einstige weiße Stehermaschine überließ

Nicht wie erhofft konnte diesmal Lasse Ibert in das Geschehen eingreifen, dem sein Staffel-Einsatz beim Rother Triathlon-Challenge am Sonntag offensichtlich doch noch in den Beinen steckte. Mit den Plätzen fünf und sechs in beiden Läufen schlug sich Ibert allerdings trotzdem noch recht wacker. Auch Christoph Schwerdt, der im 2. Lauf in den ersten 20 Runden das Neuner-Feld forsch anführte, zeigt trotz seiner derzeitigen Trainingsprobleme noch immer seinen alten Kampfgeist. Als fränkischer Lokalmatador der Zukunft konnte sich erneut Marcel Kuban sehr eindrucksvoll empfehlen. „ Marcel zeigt eine tolle Entwicklung als Steher. Sein eiserner Wille und seine Moral sind bewundernswert“, lobt Mario Vonhof den 28-jährigen Nürnberger, der hinter seinem Stammschrittmacher Johannes Fuchs im Nachwuchslauf alle Gegner locker überrundete!

Für die Nürnbergerin Gabi Fruth und für Robin Koch aus Höfen werden nicht nur die Steherläufe in schöner Erinnerung bleiben. Sie waren die beiden Glücklichen, die bei der gemeinsamen Aktion von „Engelchen e.v.“ und Radio F eine Ballonfahrt mit Start im Innenraum der Rennbahn gewannen. Zusammen mit Thomas Fink, dem zweifachen Weltmeister im Ballon-Fahren, durften sie die herrliche Aussicht über dem Großraum Schwabach/Roth genießen.

Matt Gittings mit Mario Vonhof

„Sommer-Preis“ der Steher ( Zwei Läufe über 30 und 40 km)

Erster Lauf über 75 Runden /30 Kilometer:
1. Florian Fernow (Berlin) mit Schrittmacher Bäuerlein in 25:42 Min., 2. Robert Retschke (Aachen) mit Ehnert, 3. Sebastin Körber ( Team Nutrixxion/RC Wendelstein) mit Baur, 4. Christoph Breuer ( Hürth) mit Gessler, 5. Lasse Ibert (AAN Racingteam/RC Wendelstein) mit Ruder, 6. Matt Gittings (Großbritannien) mit Fuchs, 7. Emilien Clére (Frankreich) mit Toscano, 8. Christoph Schwerdt (RC Herpersdorf) mit Schwarz, 9. Ronny Freiesleben( Leipzig) mit Lutz.

Zweiter Lauf über 100 Runden/ 40 Kilometer :
Stand bei Abbruch 7 Runden vor Schluss:
1. Fernow, 2. Körber, 3. Retschke, 4. Breuer, 5. Freiesleben, 6. Ibert, 7. Gittings, 8. Clére, 9. Schwerdt.

Punkte-Gesamtwertung nach zwei Läufen:
1. Fernow 18 Punkte, 2. Körber 15 P., 3.Retschke 15 P., 4. Breuer 12 P., 5. Ibert 9 P., 6. Gittings 7 P., 7. Freiesleben 6 P., 8. Clére 5 P., 9. Schwerdt 3 P.

Nachwuchs-Lauf über 30 Kilometer:
1. Marcel Kuban (TV Union 1886 Nürnberg) mit Schrittmacher Fuchs in 26:48,2 Min., 2. Alexandre Paccalat ( Frankreich) mit Pacceco, 3. Jan Puschmann (RC Herpersdorf) mit Grüner, 4. Bernhard Wächter ( AAN Racingteam/RC Wendelstein) , 5. Patrick Jordan (AAN Racingteam /RC Wendelstein) mit Fahrt, 6. Roman Woda ( AAN Racingteam/RC Wendelstein), 7. Philipp Fleischmann /RC Herpersdorf) mit Schinner, ausgeschieden: Alexander Beck (RC Herzogenaurach) mit Martyniak.

Manfred M a r r