Radsport-Legende Djamolidin Abdoujaparov

...war Gast „ am Keller“

Einen in Radsportkreisen noch immer sehr prominenten Gast konnte Bahnchef Andreas Zentara am Reichelsdorfer Keller begrüßen: Djamolidin Abdoujaparov, erfolgreicher Profi-Sprinter der 1990er-Jahre, machte auf einer Deutschlandreise in Franken Station. Dabei besuchte er kurz die traditionsreiche Reichelsdorfer Piste. „Der Bahnsport war zwar nie mein Metier, doch ohne ihn würde dem Radsport seine wichtige Basis fehlen. Es ist sehr schade, dass es immer weniger Rennpisten und Bahnrennen gibt“, sagte Abdoujaparov.

Bahnchef Andreas Zentara freute sich über ABDOUs Besuch

Dem Radsport blieb der einstige Super-Sprinter, der seit über 20 Jahren in Italien lebt, bis heute eng verbunden. „ Diese tolle Sportart hat mich bis heute nicht mehr los gelassen. Ich komme noch immer sehr viel mit Teams, Veranstaltern und zu ehemaligen Fahrern zusammen“, sagte der 51-jährige Usbeke, dessen Ziel es ist, für 2016 oder 2017 eine eigene Profi-Mannschaft mit jungen und talentierten Fahrern aufzubauen. „ Das ist auch der Grund meiner jetzigen Reise. Es gibt sehr viele hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer für ein gutes internationales Team. Das eigentliche Problem ist es jedoch, die nötigen Sponsoren für eine Team-Finanzierung zu finden“, erklärt Abdoujaparov, der in ganz Europa unterwegs ist. Über seine ersten viel versprechenden Verhandlungen will er allerdings noch nichts verraten. „ Um darüber zu sprechen ist es noch etwas zu früh“.

Autogramme von ABDOU sind noch immer begehrt

Lieber sprach der erfahrene Ex-Profi über seine eigene Karriere, die 1983 in der damaligen Sowjetunion begann. Im russischen Nationaltrikot stürmte er als mehrfacher Landesmeister der Amateure von Sieg zu Sieg. Vor allem bei der „Friedensfahrt“, der internationalen „Tour der Ostblock-Staaten“ war er als „Etappenjäger“ erfolgreich. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs zog es Djamolidin Abdoujaparov - wie viele andere russische Spitzenfahrer - nach Italien, wo er 1990 beim Team Alfa-Lum seine Profikarriere begann. Bereits im folgenden Jahr trumpfte der Profi-Neuling dann ganz groß auf. „ Am meisten gefreut hat mich allerdings mein erster Profi-Sieg bei der Sizilien-Rundfahrt 1991“, erinnert sich „Abdou“, wie er von seinen Fans und Konkurrenten genannt wurde, nachdem er im gleichen Jahr bei der Tour de France drei Etappen und das Grüne Trikot des besten Sprinters gewann. „Dabei hatte ich noch Glück im Unglück, denn im Massensprint der letzten Etappe stürzte ich in Paris 50 Meter vor dem Ziel auf den Champs-Elysees schwer. Mein Rad war völlig demoliert und mein Schlüsselbein gebrochen, doch ich konnte das Rad noch schultern und ins Ziel hinken. Um in der Trikotwertung zu bleiben, musste man damals das Ziel mit dem Radüberqueren“, erzählt Abdoujaparov schmunzelnd und er fügt hinzu: „ Heute ist das Reglement bei Stürzen auf den letzten 3000 Metern großzügiger“. Insgesamt gewann der „Terror von Tashkent“, wie ihn seine Gegner wegen seiner sehr ruppigen und gefürchteten Fahrweise nannten, zwischen 1991 und 1996 neun Tour de France-Etappen. 1993 und 1994 gewann er noch zweimal das Grüne Trikot. Mit vielen weiteren Etappen-Siegen bei anderen Rundfahrten – allein sieben bei der Spanien-Rundfahrt – zählte Abdou neben dem Deutschen Olympia-Sieger Olaf Ludwig, dem Franzosen Laurent Jalabert und dem Italiener Mario Cipollini zu den vier weltbesten Sprintern. Beim Vergleich mit den heutigen Sprint-Assen fällt ihn vor allem auf, dass diese optimal durch ihre starke Mannschaft unterstützt werden. „ Das war früher noch nicht so perfekt. Ich war da meist noch mehr Einzelkämpfer und ich musste meine Sprints allein durchziehen. Dabei ging es dann oft schon sehr hart zur Sache“.
Großes Lob hat Abdou für die aktuellen deutschen Straßen-Asse parat: „Deutschland hat inzwischen wieder echte Weltklasse-Fahrer, die bei der Tour und bei den Klassikern vorne dabei sind“. Für Abdoujaparov waren die Frühjahrsklassiker einst nur zweitrangig. „ Mein großes Ziel war alljährlich die Tour de France. Bis Juli fuhr ich deshalb so viele kleinere Rundfahrten wie nur möglich“. Dass er im April 1991 trotzdem bei „ Gent-Wevelgem“ auch einen Klassiker-Sieg feiern konnte, freut Abdoujaparov heute noch besonders: „ Ich gewann damals den Massenspurt vor Mario Cipollini und Olaf Ludwig“.
Im Sattel sitzt Djamolidin Abdoujaparov seit dem Ende seiner Karriere 1997 zwar noch immer gerne, aber nicht mehr auf einer Rennmaschine: „ Ich fahre oft mit meinem Mountainbike, am liebsten allein in den Bergen rund um den Gardasee“, sagt der einstige Top-Sprinter, dessen erfolgreiche Taubenzucht seit vielen Jahren sein größtes Hobby ist.

Manfred M a r r