Interview mit Bernhard Wächter

Seit Beginn dieses Jahres ist Bernhard Wächter vom RC Wendelstein Bahnfachwart des Bayerischen Radsportverbandes. Der 33-jährige Franke, der 1989 als Zehnjähriger beim „RV Union“ mit dem Radsport begann, war bis 2003 einst erfolgreicher Bahnspezialist und U23-Vize-Europameister im Madison.

Interview mit Bernhard Wächter, Bayerns neuen Fachwart des Bahnradsports


Was hat sich Ihrer Meinung nach seit 2003 im bayerischen Bahnsport am meisten geändert?

Zu meiner Zeit hatte der Bahnsport insgesamt einen wesentlich höheren Stellenwert. Die vielen Erfolge der früheren DDR-Asse waren nach der Wiedervereinigung ein großer Ansporn. Allerdings hat man sich danach bundesweit wohl zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht. Vor allem im Nachwuchsbereich entstand eine immer größer werdende Lücke.

Die Sie wieder schließen möchten? Wo liegen dabei die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Vorrangig muss in allen Landesverbänden eine wesentliche Verbesserung der Nachwuchsarbeit erfolgen. Dabei dürfte für uns im Raum Nürnberg die für 2013 geplante Sportschule in Langwasser ein sehr wertvoller zusätzlicher Faktor sein. Wir müssen diese große Chance nutzen, in Franken einen starken Radsport-Stützpunkt für ganz Bayern aufzubauen. Dabei werden wir neben dem Bahnsport allerdings auch den Cross-Sport, den Mountainbike-Sport, den BMX-Sport und natürlich auch der Straßenrennsport berücksichtigen, eben sämtliche olympischen Radsportarten.

Wie könnte man den Radsport für Jugendliche attraktiver machen und deren Interesse noch mehr wecken?

Wir müssen interessierten Jugendlichen eine kompetente gute Ausbildung, im gesamten Bereich des Radsports anbieten. Unser großes Problem dabei ist es jedoch, dass wir derzeit einfach zu wenig Ehrenamtliche haben, die als Trainer, Mechaniker und Betreuer mitarbeiten. Ich hoffe sehr, dass sich hierfür ehemals erfolgreiche Rennfahrer engagieren mit ihrem umfangreichen Wissen und ihrer langjährigen Erfahrung. Außerdem müssen wir unsere Bahnveranstaltungen langfristig noch attraktiver und publikumswirksamer gestalten, um mehr Jugendliche anzusprechen.

S. Stork vorne u. B. Wächter begleiten die Jüngsten beim Schnuppern

Zusammen mit Stefan Stork, dem BRV-Schüler-Trainer und Bahnfachwart des Bezirkes Mittelfranken führen sie am Reichelsdorfer Keller heuer erstmals ein „Stützpunkt-Training“ durch. Was versteht man darunter?

Dieses neue Stützpunkt-Training findet seit Mai bis September an jedem Dienstag von 17.30 bis 19.30 statt. Es ist ein spezielles Bahntraining für Neulinge, Nachwuchs-Sportler und auch für interessierte Erwachsene, die erstmals ihr Radsport-Talent testen wollen. Bei der Durchführung helfen uns Aktive wie Felix Wolf vom RV Union, Jan Puschmann vom RC Herpersdorf und Frank Schwarz vom RC Wendelstein und deren Vereine.

Ab welchem Alter ist es ihrer Meinung nach denn am sinnvollsten mit dem Radsport zu beginnen?

Ich denke ab etwa zehn Jahren können Schüler schon erstmals reinschnuppern in den Radrennsport um dann ab zwölf Jahren ihre ersten Rennen zu fahren.

An wen können sich interessierte Eltern oder Jugendliche wenden?

Ansprechpartner hierfür ist Stefan Stork, der sich im Bereich des Schüler-Radsports für die Jüngsten sehr stark engagiert. Er koordiniert erste Trainings-Einsätze und ermittelt Interessenten an die Radsportvereine der Region. Zu erreichen ist Stefan Stork per Mail unter: stork@radsport-mittelfranken.de oder tel. unter 0179/4756812

Was muss ein interessierter Neuling, der erstmals auf der Rennbahn fahren möchte, an Ausrüstung mitbringen?

Eigentlich nur einen Fahrradhelm und selbst den hätten wir parat. Es ist derzeit genügend Leihmaterial mit Rennmaschinen in verschiedenen Größen am Reichelsdorfer Keller vorhanden. Jeder der sein Talent erstmals auf der Rennbahn testen will kann das auf unseren Bahnrädern tun.

Ist es sinnvoll, jungen Neulingen ihre ersten Fahrversuche auf der Rennbahn und nicht auf der Straße machen zu lassen?

Ja absolut, denn man kann sich auf der Bahn in aller Ruhe abseits vom gefährlichen Straßenverkehr jedem Neuling widmen, der dann völlig ungestört seine ersten Runden drehen kann. Man fährt mit den Neulingen zunächst natürlich nur unten am Bahnrand und nicht in die steilen Kurven.

B. Wächter li. u. S. Stork sind beide noch eifrig selbst im Sattel

Trotz aller Vorsicht und aufmerksamer Betreuung bleibt dabei sicher noch ein gewisses Unfall-Risiko. Gibt es hierfür einen speziellen Versicherungsschutz?

Ja und das ist sehr wichtig. Wir geben an alle Stützpunkt-Teilnehmer offizielle Trainingskarten aus. Damit haben sie während des Trainings entsprechenden Versicherungsschutz über den Verband.

Bei ihrer gemeinsamen Nachwuchsarbeit mit Stefan Stork geht es fast ausschließlich um Schüler und Jugendliche. Kann auch ein Späteinsteiger der 16 Jahre oder älter ist noch von Ihrer Arbeit profitieren?

Selbstverständlich. Oft kommen solche Interessenten von anderen Sportarten. Sie sind ebenfalls herzlich willkommen. Auch für sie haben wir ein passendes Programm um den Einstieg in den Radsport zu erleichtern.

Die traditionsreiche Piste am Reichelsdorfer Keller ist bekanntermaßen nicht mehr im besten Zustand. Erschwert das Ihre Arbeit, das Training oder das Rennprogramm?

Die Bahn am Keller ist zwar nicht mehr die Schnellste, doch sie ist noch immer recht gut zu befahren. Wer hier hart und fleißig trainiert, der profitiert davon auf jeder schnelleren Rennbahn.

Seit Jahrzehnten haben sich für das Bahn-Training der lizenzierten Fahrer die traditionellen Mittwochabendrennen bewährt. Gibt es auch dazu neue Aspekte?

Seit 2011 werden diese Trainingsrennen für den“Radsport-Duschl-Cup“ gewertet, an dem die Fahrer sämtlicher Altersklassen teilnehmen. Der Cup hat sich sehr positiv auf die Teilnahme und auf die Motivation der Fahrer ausgewirkt. Inzwischen gibt es sogar ein Führungstrikot für den jeweiligen Spitzenreiter. Eine ähnliche Serie wird seit diesem Jahr auch den Stehern geboten, die jeden Mittwoch um den „Metall-Schwarz-Cup“ kämpfen. Besonders erfreulich ist es, dass uns die beiden Sponsoren eine längerfristige Zusammenarbeit zusicherten.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Stellenwert des mittelfränkischen Bahnsports?

Wir sind im Vergleich mit den übrigen bayerischen Radsportbezirken recht gut aufgestellt, doch es gibt natürlich noch immer jede Menge Spielraum nach oben. Was die Anzahl der Teilnehmer insgesamt angeht sind wir im Vergleich zu den Bahnen in Augsburg und Niederpöring führend.

Was wäre der größte Wunsch des bayerischen Bahnfachwartes für die Zukunft?

Da habe ich eigentlich zwei Wünsche. Wie schon erwähnt, hoffe ich, dass sich künftig noch mehr ehemalige Radsportler als Mitarbeiter engagieren, das würde unsere Arbeit und damit auch das Niveau des fränkischen Bahnradsports weiter verbessern. Mein allergrößter Wunsch wäre dann natürlich noch eine überdachte neue Radrennbahn.

Interview: Manfred Marr

B. Wächter li. mit seinen Schützlingen am Keller