Fernow und Breuer sind für die EM bestens gerüstet

Das war heute Stehersport vom Feinsten, der die Zuschauer restlos begeistert hat“, schwärmte Nürnbergs Altmeister Heinz Jakobi nach der gut besuchten „DM-Revanche um den Preis der Sparkasse Nürnberg“. Bei idealem Rennwetter war nach zwei spannenden Läufen über 30 und 40 Kilometer der Deutsche Meister Florian Fernow der überragende Mann des Abends. Der 32-jährige Berliner gewann mit seinen Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein verdient die Gesamtwertung vor Europameister Patrick Kos (Holland) und dem Hürther Christoph Breuer. Den 30 km-Lauf der Nachwuchssteher sicherte sich - ebenfalls im Windschatten von Peter Bäuerlein – Robert Bickel (RSV Irschenberg) vor Marcel Kuban (RV Union Nbg.) und Sebastian Kienle aus Oberhausen. Im Rahmenprogramm kämpften Amateure und Jugendliche mit großem Ehrgeiz um den „Radsport-Duschl-Cup“.

Bahnchef Andreas Zentara, Sportleiter Horst Brom und Dieter Durst, der in bewährter Weise wieder die Rennaufsicht bei den Stehern übernahm, strahlten mit der Sonne um die Wette. „ Heute passt wirklich alles“, freute sich Horst Brom, der ein exzellentes Fahrerfeld verpflichten konnte, dass die treuen fränkischen Steherfans total begeisterte. Eine Woche vor der Europa-Meisterschaft in Zürich, war das Rennen am Mittwochabend zugleich der letzte große Test für die EM-Teilnehmer, die in herrlichen Spurtrunden und heißen Zweikämpfen großartigen Sport boten. Bereits der erste Lauf über 30 Kilometer war spannend bis zum letzten Meter. Europameister Patrick Kos aus Holland und der Deutsche Stehermeister Florian Fernow lieferten sich ein erbittertes Duell, das die Zuschauer förmlich von den Sitzen riss. Patrick Kos gewann nach 75 Runden mit nur zwei Metern Vorsprung knapp vor Florian Fernow! Vize-Meister Marcel Barth aus Erfurt, verteidigte dahinter nach zahlreichen Zweikämpfen erfolgreich Rang drei vor Christoph Breuer und dem Schweizer Meister Peter Jörg.

Eine Klasse für sich Fernow-Bäuerlein

Ebenso spannend verlief auch der entscheidende zweite Lauf über 40 Kilometer. Dabei zeigte sich Florian Fernow, der von Peter Bäuerlein perfekt geführt wurde, erneut als gerissener Taktiker. Während sich Breuer, Jörg und Kos in der ersten Rennhälfte zahlreiche harte Positionskämpfe lieferten, fuhr Florian Fernow lange unauffällig auf Rang fünf. Erst auf den letzten 15 Kilometern machte das Meister-Gespann Fernow/Bäuerlein ernst. In einem kraftvollen langen Zwischenspurt stürmte Fernow innerhalb weniger Runden an die Spitze. Der überlegene Laufsieg und damit auch der Gesamtsieg war dem langen Berliner danach nicht mehr zu nehmen. Sehr spannend wurde hinter Fernow noch das Duell um Platz zwei des 40km-Laufes, bei dem Christoph Breuer und Patrick Kos so erbarmungslos an ihre Grenzen gingen , dass sie abwechselnd beide ins „Schwimmen“ gerieten. Die größeren Reserven hatte schließlich Christoph Breuer, dessen beherzte Fahrweise mit viel Beifall belohnt wurde. Ex-Meister Jan-Eric Schwarzer, der sich nach einer längeren Rennpause zu spät für die EM zurückmeldete, erkämpfte sich Platz vier vor Marcel Barth und Peter Jörg. Der Torgauer Ronny Freiesleben und die beiden fränkischen Lokalmatadore Felix Wolf (RV Union Nbg.) und Sebastian Körber (RC Wendelstein/Team Nutrixxion) spielten beim rasanten Rundenwirbel der Asse diesmal nur eine bescheidene Rolle.

Vater Jean gibt Christoph Breuer den Schwung

Mit ihrer derzeit sehr guten Form zählen Fernow und Breuer am kommenden Wochenende bei der EM in Zürich zweifellos zum Kreis Favoriten. „Es läuft im Moment sehr gut bei mir. Ich hoffe natürlich, dass ich eine EM- Medaille holen kann“, erklärte Florian Fernow nach seinem überzeugenden Sieg am Reichelsdorfer Keller zuversichtlich. Auch Christoph Breuer, der seinen ungestümen Kampfgeist etwas zügeln sollte, könnte bei der EM ein gewichtiges Wort mitsprechen. „ Ich habe ein gutes Gefühl. Mal sehen, wie´s in Zürich läuft“, sagte der Sohn des Ex-Weltmeisters Jean Breuer optimistisch. Patrick Kos, der als Titelverteidiger in Zürich startet, war mit seiner EM-Prognose sehr vorsichtig: „ Noch mehr als die deutschen Steher, die sehr stark sind, fürchte ich die Schweizer, die auf ihrer Heimatbahn nur schwer zu schlagen sind.“. Bahnchef Andreas Zentara und Sportleiter Horst Brom, die bei der EM in Zürich dabei sein werden, wollen den fränkischen Fans beim letzten diesjährigen Renntag am Sonntag den 16. September noch einmal einen besonderen Leckerbissen bieten: “Der Herbst-Preis wird eine gut besetzte Revanche der Europameisterschaft. Wir wollen neben dem neuen Titelträger möglichst viele der EM-Finalisten bei unserem Saisonabschluss an den Start bringen“.

v.l.n.r. Kos/Kos, Fernow/Bäuerlein, Breuer/Gessler

Manfred Marr