Der Berliner Florian Fernow war der „Überflieger“

Fernow / Bäuerlein

Die vier fränkischen Lokalmatadore hatten sich mehr erhofft

Reichelsdorfer Keller - Bange Blicke zum Himmel begleiteten am Sonntag den „Großen Preis von Radio F“ am Reichelsdorfer Keller. Umso mehr, nachdem am Vortag der „Große Preis von Chemnitz“ kurz vor dem Finale wegen Regen ins Wasser fiel. Doch Petrus hatte ein Herz für die Steher und ihre Zahlreichen fränkischen Fans. Bis auf eine kleine Unterbrechung lief das umfangreiche Programm planmäßig nachdem kleine Regenschauer schnell vorüber zogen. Schnell waren auch die vier spannenden Läufe, in denen es diesmal einige Überraschungen gab. So konnten sich im ersten Vorlauf, den Ex-Europameister Timo Scholz aus Leipzig gewann, die beiden Lokalmatadore Chrisoph Shwerdt (VfR Herpersdorf) und Felix Wolf ( RV Union 1886 Nbg.), mit den Plätzen fünf und sieben nicht für den großen Endlauf qualifizieren. Ex-Meister Mario Vonhof, der wegen der Erkrankung seines Stamm-Schrittmachers Dieter Durst erstmals im Windschatten des Bielefelders André Dippel fuhr, reichte hinter Scholz und Ronny Freiesleben aus Torgau Rang drei für die Endlaufteilnahme.

Im zweiten Vorlauf, den der Berliner Florian Fernow vor Christoph Breuer aus Hürth gewann, enttäuschte Marcel Möbus, der mit Platz fünf ebenfalls das große Finale verfehlte. „ Ohne meinen gewohnten Schrittmacher Helmut Baur, der heute leider nicht hier sein kann, läuft es natürlich nicht so gut“, erklärte der amtierende Deutsche Meister, der hinter dem Leipziger Holger Ehnert ins Rennen ging. Der Katzwanger Sebastian Körber (Team Nutrixxion ) und sein Schwabacher Schrittmacher Rudolf Pühringer hatten sich offensichtlich zu lange an dem vor ihnen fahrenden Stehermeister Marcel Möbus orientiert und damit auf die falsche Karte gesetzt. „ Ich brauche einfach noch mehr Steherrennen, mein Tritt ist noch nicht optimal“, erklärte Sebastian Körber, der in den letzten Monaten beachtliche Ergebnisse bei sehr schweren Straßenrennen einfuhr. Trösten durften sich Körber/Pühringer mit Platz drei im kleinen Endlauf über 30 Kilometer, den der erst 21-jährige René Heinze aus Gera vor Marcel Möbus gewann. Nach einem beachtlichen Vorlauf am Samstag in Chemnitz hatten sich Christoph Schwerdt (VfR Herpersdorf) und sein Wendelsteiner Schrittmacher Frank Schwarz am Keller gute Chancen für eine Teilnahme am großen Endlauf ausgerechnet. Doch das bislang so perfekte Teamwork des jungen fränkischen Gespannes, wollte am Sonntag einfach nicht klappen. Christopf Schwerdt stieg nach 30 Runden enttäuscht vorzeitig vom Rad.

In dem mit Spannung erwarteten 50km-Endlauf überraschten Florian Fernow und sein Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein ihre sieben Gegner mit einem furiosen Blitzstart. Unaufhaltsam zogen sie bereits in der zweiten Runde an Mario Vonhof vorbei an die Spitze. Nur Timo Scholz und Christoph Breuer konnten dem entfesselten Duo Fernow/Bäuerlein bis zur Hälfte des Laufes noch rundengleich folgen. Auch Mario Vonhof, der in der zweiten Hälfte des Rennens besser in Schwung kam, musste passen. Wer befürchtet hatte, dass Florian Fernow auf den letzten Kilometern die Reserven fehlen, hatte sich getäuscht. Souverän behielt der 26-jährige Berliner die Spitze und überrundete munter weiter alle Rivalen bis auf Timo Scholz, dem Fernow immer näher rückte. Auf den letzten drei Runden musste Scholz noch mal alles geben, um die drohende Überrundung wenige Meter vor dem Ziel noch ganz knapp abzuwehren. „ Es war schon sehr gewagt, wie wir heute gefahren sind, doch Florian wuchs über sich hinaus. Ich war selbst überrascht, welche Power er noch am Ende hatte“, staunte Schrittmacher Peter Bäuerlein. Der strahlende Überflieger Florian Fernow stellte im Ziel zufrieden fest: „ Mein hartes Training, neben meiner Vollzeitarbeit als Installateur, hat sich ausgezahlt. Nun hoffe ich, dass ich diese gute Form noch recht lange halten kann“.

Mario Vonhof, der nach 50 Kilometern Platz sechs belegte, war damit zwar nicht zufrieden, doch auch nicht zu sehr enttäuscht: „ Zunächst freue ich mich, dass ich mit André Dippel einen wirklich sehr guten Ersatzmann für Dieter Durst gefunden habe. Ich war sehr zufrieden mit seiner Fahrweise. Was mir nun ohne Dieter am meisten fehlt, ist das umfangreiche Bahntraining, dass wir stets mehrfache pro Woche absolvierten. André, der in Bielefeld arbeitet und wohnt kann natürlich nicht zum Training nach Nürnberg kommen. Ich werde deshalb versuchen, mit hiesigen Schrittmachern so viel wie möglich zu trainieren“, sagte der 35-jährige Schwabacher. Vor dem dritten EM-Qualifiaktions-Rennen, das in zwei Wochen in Bielefeld stattfindet, gibt sich Mario Vonhof zuversichtlich: „ Ich werde schon einige Tage vorher nach Bielefeld reisen, um mich mit André auf dessen Heimatbahn intensiv vorzubereiten. Noch bin ich sehr optimistisch. Die Saison hat ja gerade erst begonnen. Ich denke, dass es mit jedem weiteren Rennen bei mir wieder besser rollt!