Mario Birrer war nicht zu bremsen

Frankens Radsportfans votierten klar für den Erhalt der traditionsreichen Piste

Europameister Mario Birrer war am Mittwochabend beim „Großen Preis des Franken-Fernsehens“ am Reichelsdorfer Keller nicht zu bremsen. Der 34-jährige Schweizer gewann mit seinem Singener Stammschrittmacher Helmut Baur das Hauptrennen über 5o Kilometer mit zwei Runden Vorsprung souverän vor Robert Retschke (Aachen/mit Schrittmacher Ehnert) und dem Bayerischen Stehermeister Christoph Schwerdt (Team Falk-Pantera-Marin/mit Johannes Fuchs). Den Sieg im B-Lauf über 40 Kilometer holte sich ebenso unangefochten der Nürnberger Steherneuling Tomas Steger (RV Union 1886) mit Schrittmacher Horst Grüner vor dem unverwüstlichen Herpersdorfer Oldtimer Jan Puschmann mit Frank Schwarz und dem Solinger Christian Passenheim mit Gerd Gessler.

Volle Konzentration vor dem Start vorne EM Mario Birrer

Nach den Wettbewerben der U11- und U13-Schüler, die Jan Reitenspieß ( TV 1881 Altdorf) und Paul Keller (RC Herpersdorf) gewannen , starteten zunächst die Teilnehmer des B-Laufes über 100 Runden. Erwartungsgemäß trumpfte dabei Thomas Steger ganz groß auf. Bereits nach wenigen Runden zog er seinen sieben Konkurrenten unaufhaltsam davon. „ Der Junge hat großes Talent, er sitzt optimal auf der Maschine, hat gute Kondition und er bringt den nötigen Ehrgeiz mit“, schwärmte der Herpersdorfer Ex-Stehermeister Horst Duschl, der in Thomas Steger den „kommenden Mann“ am Reichelsdorfer Keller sieht.
Für Europameister Mario Birrer, der im anschließenden Hauptrennen über 125 Kilometer ebenso überlegen den Ton angab, ist die schwere Nürnberger Piste neben der in Zürich seine Lieblingsbahn: „ Es fährt sich nicht leicht auf dem alten Belag mit den vielen Flicken und Unebenheiten, doch wenn die Form stimmt, kann man hier so richtig loslegen“, schwärmte der 34-Basler, der mit Schrittmacher Helmut Baur aus Singen seinen idealen Partner gefunden hat. Auch Baur kommt gerne zum Reichelsdorfer Keller: „ Hier habe ich vor 40 Jahren meine Schrittmacherprüfung abgelegt und meine ersten Rennen gefahren“, erzählt der agile Badenser, dem man kaum glauben möchte, dass er im August seinen 70. Geburtstag feiern wird. „ Das ist heuer meine letzte Saison, dann ist endgültig Schluss“, sagt Helmut Baur und Mario Birrer hört ihm dabei gelassen zu, denn auch er will nach dieser Saison seine erfolgreiche Karriere beenden. „ Ich habe 1993 als 13-Jähriger mit dem Radsport begonnen, das sind nun schon über zwanzig Jahre. Mein Beruf als Immobilien-Kaufmann nimmt mich immer mehr in Anspruch, da bleibt kaum noch Zeit für das notwendige Training“, sagt Mario Birrer, der auch dann endgültig aus dem Sattel steigen will, falls er in Forst erneut die Europameisterschaft gewinnen sollte.“ Es bleibt dabei, dass Helmut und ich gemeinsam aufhören. Allerdings würden wir beide heuer gerne noch einmal am Reichelsdorfer Keller fahren um uns hier von diesen treuen Fans zu verabschieden“.

Steherneuling Thomas Steger gewann klar den B-Lauf

Ähnliche Probleme wie Mario Birrer hat Christoph Schwerdt. „Auch mir fehlt die Zeit für mehr Training und für andere Rennen“, bedauert der Inhaber des Nürnberger Fachgeschäfts Radsport-Duschl. Umso erstaunlicher ist dabei Schwerdt´s Formanstieg in den letzten Wochen und sein großer Kampfgeist mit dem er bis zur Hälfte des Rennens das Feld anführte und die Sprintwertungen gewann. Hinter Robert Retschke, der 30 Runden vor Schluss - leider etwas zu spät - herrliche Spurtrunden fuhr, war Christoph Schwerdt erneut bester Lokalmatador, vor Ex-Meister Jan-Eric Schwarzer, der rechtzeitig zur DM immer besser in Form kommt. Das Duell um Platz fünf gewann Sascha Damrow aus Gera vor dem Wendelsteiner Sebastian Körber, der mit seiner derzeitigen Form nicht zufrieden ist. Überraschend gut überstand Matt Gittings die 50-Kilometer-Distanz. Der 23-jährige Brite, der erstmals in Nürnberg fuhr, erklärte nach dem Rennen: „Ich war sehr skeptisch, denn ich fahre erst seit kurzem als Steher und das war heute mein bisher längstes Rennen.“

Grösste Kämpfer des Abenda waren Christoph Schwerdt u. Johannes Fuchs

Bahnchef Peter Edelhäußer freute sich über den Besuch des Nürnberger CSU-Stadtrates Kilian Sendner, der sich als Mitglied der Sportkommission und Stammgast „am Keller“ fragend an die rund 1200 Zuschauer wandte. Mit großem Beifall votierten diese für den Vorschlag die Piste beizubehalten und zu renovieren. Für einen Neubau in einem anderen Stadtgebiet oder den Bau einer Sporthalle zeigten die Fans dagegen kaum Interesse. „ Mit dieser eindeutigen Vorgabe wird sich nun der Stadtrat befassen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass man einen Weg finden wird, die traditionsreiche Piste zu erhalten“, gab sich Peter Edelhäußer optimistisch.

Manfred M a r r