Aus dem Steherauftakt am Keller...

...wurde leider nur ein Intermezzo

Aus dem mit Spannung erwarteten Saison-Auftakt der Steher wurde am 29. Mai leider nur ein kurzes Intermezzo. Nach dem ersten Lauf über 30 Kilometer um den „Großen Preis von Radio F“ musste die Veranstaltung wegen starker Regenschauer abgebrochen werden. „ Das war jammerschade, denn ich fühlte mich auf dieser schweren 400m-Piste auf Anhieb sehr wohl“, bedauerte der Sieger Stefan Schäfer aus Cottbus. Den amtierenden Deutsche Stehermeister, der seit Beginn dieser Saison für das Irschenberger Team „Maloja-Pushbikers“ startet, konnte selbst ein Reifenschadens nicht erschüttern. Schäfer gewann nach 75 Runden vor dem neuen Nürnberger Lokalmatador Thomas Steger (RV Union 1886) und dem deutschen Vize-Meister Robert Retschke aus Aachen. Rundengleich mit dem schnellen Spitzentrio beendete den Lauf nur noch Ronny Freiesleben (Team Isaac-Torgau) als Vierter der acht Starter.

Stefan Schäfer, der ebenso wie der Nürnberger Thomas Steger erst 2014 mit dem Stehersport begann, war vor seinem Debüt am Reichelsdorfer Keller sehr skeptisch. „ Ich denke das wird heute sehr schwer für mich, denn ich kenne diese Bahn überhaupt nicht“, erklärte er vorsichtig. Sein Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein, der seit über 30 Jahren erfolgreich im Sattel sitzt, zeigte sich optimistischer:“ Stefan hat derzeit eine Bombenform und was die Bahn betrifft, kenne ich sie dafür um so besser“. Das klang sehr beruhigend für den vielseitigen Allrounder Stefan Schäfer, der am Freitag erst sein zehntes Steherrennen fuhr und nach dem Startschuss ließen es Schäfer/Bäuerlein, die Startposition sechs gelost hatten, zunächst auch relativ ruhig angehen. Viel rasanter begann der 30km- Lauf für Thomas Steger, der von der Spitze gestartet war. Mit seinem routinierten Nürnberger Schrittmacher Thomas Ruder drückte er bereits in den ersten Minuten heftig auf das Tempo. In den ersten zehn Minuten behaupteten Steger/Ruder mit dieser Taktik sicher die Führung. Kurz nach der Hälfte der Distanz kam es dann zu einem spannenden Duell um die Spitze zwischen Steger und Vizemeister Robert Retschke. In herrlichen Spurtrunden konnte Steger zwar dreimal erfolgreich abwehren, doch das kostete enorm viel Kraft, die ihn wenige Minuten später fehlte, als Schrittmacher Peter Bäuerlein mit Stefan Schäfer zum entscheidenden Angriff startete. Stefan Schäfer, der mit sehr hoher Übersetzung heranbrauste, war einfach nicht zu bremsen. Während Thomas Steger seinen zweiten Platz erfolgreich gegen Retschke verteidigte, spurtete der Deutsche Meister nach 25:25,15 Minuten (Stundenmittel 70,819 km!) als klarer Sieger strahlend ins Ziel.

Stefan Schäfer überzeugte bei seinem NÜrnberger Debüt

Nach der Siegerehrung, die bereits im Regen stattfand, zeigte sich Bahnchef Andreas Zentara sichtlich enttäuscht. „ Wir haben einfach kein Glück mehr mit dem Wetter, egal zu welcher Zeit wir unsere Renntermine planen“. Fast noch größer war die Enttäuschung nach dem vorzeitigen Abbruch für den Italiener Manueal Cazzaro und dem US-Amerikaner Zachary Kovalcik, die ebenso wie Stefan Schäfer erstmals am Keller starteten. Cazzaro, der aus Südtirol stammt, ist Bahn-Allrounder und fährt seit 2013 Steherrennen. Auf sehr ungewöhnliche Weise fand Zachary Kovalcik, der in Portland/Oregon lebt, zum Radsport. Vor rund zehn Jahren begann er in seiner Heimatstadt Pittsburgh als Fahrradkurier. Bei den dort üblichen Meisterschaften der Kuriere war er so erfolgreich, dass er sich ernsthaft dem Rennsport widmete. Als zweifacher US-Bahnmeister kam er 2012 nach Europa. In Berlin machte er erste Versuche als Steher. „Im Highspeed hinter dem Motor zu fahren ist einfach super“, sagt „Zach“, wie den überzeugten Veganer seine Rennfahrerkollegen nennen. „Nach Nürnberg komme ich gerne wieder – dann aber ohne Regenwolken“, erklärte der 32-jährige Radsport-Weltenbummler gut gelaunt.

Manfred M a r r

Siegerehrung in Nürnberg - leider nach nur einem Lauf

Ergebnis „Großer Preis von Radio F“ ( nach dem 1. Lauf abgebrochen wegen Regen)

1. Lauf über 30km /75 Runden:
1. Stefan Schäfer ( Cottbus/Team Maloja-Pushbikers) mit Schrittmacher Peter Bäuerlein in 25:25,15 Minuten ( 70,819km/h), 2. Thomas Steger ( RV Union 1886 Nürnberg) mit Schrittmacher Thomas Ruder, 3. Robert Retschke (Aachen/Team Kuota-Lotto) mit Schrittmacher Holger Ehnert, 4. Ronny Freiesleben ( (Team Isaac-Torgau) mit Schrittmacher Lutz Weiß, 5. Zachary Kovalzik ( Portland-Oregon/USA) mit Schrittmacher Gerd Gessler, 6. Manuel Cazzaro ( Italien) mit Schrittmacher René Aebi, 7. Saschja Damrow ( SV Elsterfüchse/Gera) mit Schrittmacher Frank Schwarz, 8. Richard Faltus (Tschechien) mit Schrittmacher Oliver Muschweck.